Erneuter Bundessieg am Johanneum: Felicia Voß (13. Jahrgang)

18. 12. 2021

Nachdem sie bereits im Sommer in Hannover mit einem Landespreis ausgezeichnet worden war, hat Felicia Voß zum Jahresende auch auf Bundesebene des Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten einen großen Erfolg erreicht. Felicia, die trotz der Einschränkungen der Corona-Pandemie unter Heranziehung umfangreicher, bisher nicht erschlossener Archivmaterialien ihren Wettbewerbsbeitrag angefertigt hatte, hat für ihre Arbeit mit dem Titel „`Und gestählt zu Kraft und Tugend wird die ganze deutsche Jugend – welch erhabener Zeitvertreib!´ (Hoffmann von Fallersleben) – Turnen und die Etablierung von Sportunterricht am Gymnasium Johanneum in Lüneburg (1810-1915)“ einen 3. Bundespreis in Höhe von 750 Euro erhalten.


Im Rahmen des seit 1973 alle zwei Jahre stattfindenden Wettbewerbs waren in diesem Durchgang insgesamt 1.349 Arbeiten eingereicht worden, über 3.400 Kinder und Jugendliche hatten sich beteiligt. Felicias Auszeichnung ist die zweithöchste, die bisher an einen Lüneburger Schüler vergeben wurde. Ihr ehemaliger Mitschüler Jimi Puttins (Abitur am Johanneum 2019) hatte 2019 einen 2. Bundespreis erhalten.


Felicia hat sich unter der alle eingereichten Arbeiten verbindenden Überschrift „Sport macht Gesellschaft“ damit auseinandergesetzt, unter welchen Bedingungen das Schulturnen – und somit der erste Sportunterricht überhaupt – am Johanneum etabliert wurde. Sie zeichnet in ihrer Arbeit alle Phasen der sogenannten Turnerbewegung von Friedrich Ludwig Jahns ersten Ideen bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs nach, verknüpft sie immer wieder mit der Geschichte des Johanneums und geht auf Unterschiede und Parallelen zur deutschlandweiten Entwicklung ein.

 
Wie Felicia in ihrer Arbeit nachweisen kann, war Turnen in Lüneburg zunächst eine Freizeitbeschäftigung und stand lediglich durch die Übungen anleitende Lehrer des Johanneums mit der Schule in Verbindung. Mit zunehmender Entpolitisierung der ursprünglich als revolutionär und obrigkeitsfeindlich angesehenen Turnerbewegung erfolgte eine stufenweise stärker werdende Verankerung des Turnens im Unterrichtswesen. Felicia nimmt erste wissenschaftliche Systematiken des Sportunterrichts in den Blick, ebenso wie die zunehmende Spezialisierung in der Lehrerausbildung, den stetigen Ausbau des Anteils von Turnunterricht im Lehrplan und den Rückzug der Aktivitäten von öffentlichen Plätzen in zweckmäßig konstruierte Hallen. Schul- und Vereinsturnen entfernten sich nach anfänglich enger Beziehung im Laufe des betrachteten Zeitraums vollständig voneinander. Lineare Entwicklungen in der Didaktik deckten sich zeitlich eindeutig mit einem wellenförmigen Verlauf von politischen und pädagogischen Prozessen.


Felicia kann darüber hinaus aufzeigen, dass bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs keine weiteren Sportarten in den Fächerkanon des Johanneums aufgenommen wurden. Zwar nahmen Johanniter an Ballspielen und Schwimmstunden teil, jedoch lagen diese außerhalb der regulären Unterrichtszeiten.


Wir gratulieren Felicia erneut ganz herzlich auch auf diesem Wege!

 
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