Deutsch

Grundsätze für den Deutsch-unterricht

 

Neben den gültigen gesetzlichen Richtlinien gibt es Absprachen der Fachkonferenz für den Deutschuntericht.

 

 

 

 

weitere Informationen:

2015_16_fg_deutsch
 
Deutschunterricht am Johanneum

 

Die Lehrkräfte des Faches Deutsch bilden die größte Fachgruppe an der Schule. Der Deutschunterricht schafft Grundlagen für den angemessenen Ausdruck, indem er in den Jahrgängen fünf bis acht Kenntnisse der Grammatik sowie Rechtschreibung und Zeichensetzung wie auch die Vielfalt des Ausdrucks durch Synonyme vermittelt.

 

Die Fachgruppe sieht in Übereinstimmung mit den Richtlinien eine weitere Aufgabe darin, die Schülerinnen und Schüler dazu zu befähigen, Dichtungen und Sachtexte zu verstehen, sie aber auch anzuregen, eigene Texte zu schreiben. Die Anforderungen an Abstraktheit und Komplexität der Aufsatzformen steigen von Stufe zu Stufe. Nicht nur Verständlichkeit, Einfallsreichtum und Stringenz sind dabei wichtige Kriterien der Qualität, sondern auch die Fähigkeit, die Ergebnisse eigenen Schreibens dem Auditorium der Klasse in einer sinnvollen Weise zugänglich zu machen. Der Deutschunterricht vermittelt die dafür sowie für die Präsentation von Referaten erforderlichen Fertigkeiten und ka

nn auf die im Methodenunterricht erworbene informationstechnische Grundbildung zurückgreifen. Fertigkeiten im Umgang mit Medien wie gut gestalteten Folien für die Tageslichtprojektion oder der computergestützten Darbietung werden selbstverständlich.

 

Als fachspezifisches Medium für die Vorführung von Arbeitsresultaten wird den Schülerinnen und Schülern die szenische Darstellung nahe gebracht. Sie eignet sich besonders für die Rezitation von Gedichten, für die Dramatisierung epischer Vorlagen, ist aber auch sehr gut dazu geeignet, an fächerübergreifenden Projekten mitzuarbeiten. Als zentrale Aufgabe des Deutschunterrichts betrachten wir es natürlich, in den Schülerinnen und Schülern Interesse und Freude an der Literatur zu wecken. Ein kleines Maß an schulinterner Kanonisierung halten wir für erforderlich, um spätere Anknüpfungen und Erweiterungen zu ermöglichen. Daher verabreden wir verbindlich für jeden Jahrgang die gemeinsame Lektüre eines Werkes. Die ausgewählten Werke entstammen verschiedenen Epochen; bei Dramen achten wir darauf, ob sie auf dem Spielplan eines Theaters in Lüneburg oder Hamburg stehen. Theaterbesuche lassen die Schülerinnen und Schüler die Differenz erleben, die sich zwischen den fertigen medialen Produkten des Fernsehens und der Gleichzeitigkeit von Schauen und Spielen im Theater auftut.

 

Im Deutschunterricht der Oberstufe geht es überwiegend um die Lektüre, Analyse und Deutung literarischer Werke, aber auch um Reflexion über Sprache. Wir möchten die Schülerinnen und Schüler zu eigenständigem, gewinnbringendem Umgang mit anspruchsvoller Literatur ermutigen. Die Beschäftigung damit gelingt in dem Maße, wie sich die jungen Menschen das Fremde und auch Befremdliche der Texte ins Eigene anverwandeln können. Hilfreich kann es sein, wenn sie einen Text perspektivisch in der Ich- oder Wir-Form umschreiben und so zur Empathie mit einer fiktionalen Gestalt angeregt werden. Ein Beispi

el für dieses Verfahren ist die Aufgabe für die Lernenden eines Leistungskurses Deutsch, der sich mit Goethes "Faust I" beschäftigte, aus der Sicht von Mephisto den Bericht über einen erfolgreichen Vertragsabschluss zu schreiben, gerichtet an die nächsthöhere Instanz der satanischen Hierarchie. Ein Schüler schrieb:

 

"Er hat sich anfangs zwar noch etwas geziert, wollte nicht sofort in den Pakt einwilligen. Aber gut, ich habe den Herrn Doktor gewähren lassen, er ist schließlich ein studierter Mann und ich dagegen nur ein armer Teufel. Also haben wir jetzt die offizielle Bezeichnung „Wette“ in unsere Geschäftsbücher eingetragen. Eine Wette zwischen dem Gelehrten und Schulmeister Doktor Faust und meiner Wenigkeit, Mephisto, dürfte in diesem Fall genügen. Zu den Konditionen des Vertrages ist Folgendes zu sagen: 1. Faust wird auf die Reise durch die menschliche Genusswelt geschickt (selbstverständlich unter meiner Protektion);2. irgendwann wird der Augenblick kommen, in dem Faust wunschlos ist, wenn er nicht mehr das geringste Bedürfnis nach weiterem Streben zeigt, ich will diese den vollkommenen Sättigungszustand nennen; 3. ist der Moment da, so wird automatisch der Tod eintreten und die Seele des Doktors gehört mir, d h. unserer weltumspannenden Organisation."

 

Eine andere Aufgabe forderte von den Schülerinnen und Schülern, aus der Sicht der Seherin Kassandra aus Christa Wolfs gleichnamigem Roman eine Rede zu verfassen, die gegen Ende des Trojanischen Krieges den Rat der Stadt davon abbringen soll, den grausamen Griechen Achill hinterrücks zu ermorden. Eine Schülerin gestaltete den Schluss ihrer Rede so:

 

"Wir haben viel verloren, doch unsere Würde und unseren Stolz konnten sie uns nicht rauben.

Wollt ihr nun diesen Verbrechern mit diesem abscheulichen Plan Troias Stolz vor die Füße schmeißen? Erinnert euch nur an die grauenhaften Morde an Hektor, Troilos und vielen anderen. Wie die Hyänen sind sie über uns hergefallen. Besessen, brutal, blutdürstig, bestialisch. Wollt ihr genauso sein wie sie? Noch hüten die Götter die Mauern von Troia. Aber was werden sie tun, wenn sie diesen rachsüchtigen Plan sehen? Ohne Stolz, bestialisch wie die Feinde, menschenverachtend zu unseren eigenen Leuten, wutentbrannte Götter über uns – das wäre Troias Untergang. Ist das vernünftig, Vater? Ich frage jeden Einzelnen von euch: Wer will, dass der Sturm zu einem Orkan ausartet und in kürzester Zeit Troia verwüstet, um nichts als Trümmer und Leid zu hinterlassen?"

 

Alfred Blohm, Petra Kegelmann, Heiner Würdemann

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