Hermann Collitz

1855- 1935

                        

Klassischer Philologe und Linguist

 

 

 

Hermann Collitz 1855-1935

Biographie

 

 Hermann Collitz wurde am 4. 2. 1855 in Bleckede als Sohn eines Landwirtes geboren. Schon beim Besuch einer Privatschule von 1862 - 69 in Bleckede zeigte sich seine Sprachbegabung. In dieser Schule wurden zwei Klassen in einem Raum unterrichtet und er profitierte als Schüler der unteren Klasse vom Lernstoff der höheren Klasse in Französisch und Latein. Später kamen Englisch und Griechisch hinzu. So war er wohl präpariert, als er 1869 zum Johanneum wechselte. Im Frühjahr 1875 legte er sein Maturitätsexamen am Johanneum ab und immatrikulierte sich nach dem Militärdienst für das Studium der Klassischen Philologie in Göttingen, nicht ohne sich noch bis zum Beginn der Vorlesungen im Selbststudium mit den Grundlagen des Sanskrit vertraut zu machen.

 

Er studierte klassische Philologie bei E. von Leutsch, Hermann Saupe und Curt Wachsmuth. Nebenher belegte er Vorlesungen über germanische Sprachen und Philosophie. Nach einigen Studien der vergleichenden Philologie bei Professor August Fick begann er sich intensiver für indo-europäische Philologie zu interessieren und wechselte für das Sommersemester 1878 nach Berlin, um vergleichende Philologie und Sanskrit zu hören; abe rauch das Keltische und Slawische gehörten zu seinem Lehrplan. Nach Göttingen zurückgekehrt stellte er seine Dissertation "Die Entstehung der Indo-Iranischen Palatalreihe" fertig. Auf Empfehlung seiner Göttinger Lehrer erhielt er ein Stipendium für künftige Dozenten. Wieder in Berlin ab 1879 wurde Collitz mit der Herausgabe der Sammlung der griechischen Dialekt- Inschriften betraut, die ab 1883 erschien. Ein Angebot der Universitätsbibliothek führte ihn 1883 nach Halle, wo er sich im März 1885 habilitierte ("Die Flexion der Nomina mit dreifacher Stammabstufung im Altindischen und im Griechischen") und die Lehrerlaubnis für Sanskrit und vergleichende Philologie erhielt.

 

Schon im gleichen Jahr erfolgte der Sprung nach Amerika. Collitz erhielt einen Lehrauftrag am neu gegründeten Bryn Mawr College in der Nähe von Philadelphia als "Associate Professor of German"; dieser Titel wurde kurze Zeit später in "Professor of German and Comparative Philology" umgewandelt. 1907 nahm er einen Ruf der Johns Hopkins University ( Baltimore, Maryland) auf den Lehrstuhl für "Germanic Philology" an. Seine vergleichenden Forschungen umfassten die indo-europäischen Sprachen, also das Sanskrit, das Griechische und Lateinische, auf der anderen Seite die frühgermanischen Sprachen wie das Gotische, Altfriesische, Altsächsische und niederdeutsche Mundarten.

 

Als Gesandter der Johns Hopkins University besuchte er die Universität Oslo und lernte in Dänemark, Schweden und Norwegen viele Gelehrte kennen. 1925 wurde Hermann Collitz zum Präsidenten der "American Linguistic Society" gewählt, die sich im folgenden Jahr mit der "Modern Language Association" vereinigte, deren Präsident ebenfalls Collitz gewesen war. 1927  wurde Collitz mit 72 Jahren auf eigenen Antrag emeritiert und starb am 13. 5. 1935 in Baltimore.

 

Autor:  Gerhard Glombik