Theodor Steltzer- Preis

Seit 2013 vergibt die „Vereinigung der Ehemaligen, der Freunde und Förderer des Johanneums e.V.“  einen Preis für Schülerinnen und Schüler des Johanneums, die sich für ihre Mitschüler und die Schulgemeinschaft in besonderer Weise eingesetzt haben, oder sich beispielsweise für Projekte engagiert haben, die die Anliegen und Interessen der Schülerschaft  betreffen. Als erster Preisträger erhielt am 22.6. 2013 im Rahmen der  Abiturientenentlassungsfeier der Abiturient Oskar Graap durch Herrn Karsten Hofmann, den Vorsitzenden des Fördervereins, eine Urkunde und ein Buchgeschenk für sein Engagement im Schülersprecherteam.

 

Als Namensgeber des Preises wurde Theodor Steltzer, ein prominenter ehemaliger Johanniter ausgewählt. Das bedarf einer genaueren Begründung. Denn einige Anschauungen Theodor Steltzers sind nur noch auf dem Hintergrund der damaligen Zeit zu verstehen und heute nicht mehr ohne weiteres nachzuvollziehen. Steltzer war 1933 noch nicht aktiv im Widerstand, da er von der Weimarer Parteiendemokratie enttäuscht war. Der „Glaube an das deutsche Volk“ und die „geistigen Werte der Nation“ bestimmten damals noch sein Denken (1).  Er wünschte sich für das Wohl des Volkes eher einen starken Staat, der zwar ein Rechtsstaat sein sollte, aber  dem Machtkampf von Parteien keinen Raum bieten sollte. Auch sein Plan, das Christentum zur Grundlage des Staates zu machen und sein Grundsatz „alles für das Volk,  weniges durch das Volk“ weisen ihn nicht gerade als modernen Demokraten aus (2).

 

Es gibt aber viele gute Gründe dafür, gerade Steltzers Persönlichkeit  als Vorbild für heutige Jugendliche zu betrachten:

  • Steltzer war mit seiner Überzeugung für Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechte im Kreisauer Kreis Teil des Widerstandes gegen die Hitlerdiktatur und musste damit rechnen im Falle der Entdeckung hart bestraft zu werden. Denn die Erörterung von Gedanken über ein zukünftiges Deutschland nach der Hitlerdiktatur, also ohne Hitler, galt bereits als Hochverrat. Er setzte also sein Leben für seine Überzeugungen ein. Dass er als zum Tode Verurteilter in letzter Minute der Hinrichtung entkam- im Unterschied zu anderen Mitgliedern des Kreisauer Kreises- , kann man fast als unwahrscheinlichen Glücksfall betrachten.
  • Steltzer war nie Antisemit; er lehnte die Vorstellung einer „rassischen Überfremdung“ ab und missbilligte Übergriffe gegen das Judentum (3). Er kannte nicht nur Juden wie z.B. den ehemaligen Johanniter Hermann Jacobsohn, sondern setzte sich für die Rettung norwegischer und dänischer Juden ein. Nach Steltzers Überzeugung müsse jedes fremde Volkstum geachtet werden, auch dem Kleinsten müsse sein Recht gegeben werden.
  • Steltzer beschäftigte sich ständig mit Ideen und Projekten, in denen es darum ging, etwas zu verbessern und sich zu engagieren. Die „Volkserziehung“ und die Verbesserung der Infrastruktur lagen ihm zum Beispiel am Herzen. Er war ständig ein Suchender, der sich um geistige Orientierung bemühte. Er war Mitglied in zahlreichen Arbeitskreisen und  Vereinigungen, z.B. im Lions Club.
  • Er  war kontaktfreudig und weltläufig. Er pflegte Kontakte zu Angehörigen anderer Parteien, z.B. zu Willy Brandt, den er im Exil in Norwegen kennengelernt hatte.
  • Er war nicht auf eine Karriere, eine hohe Position oder eigene Interessen erpicht, sondern ihm ging es in der Politik immer um die Sache.
  • Er hatte ein gut funktionierendes Gewissen und Verantwortungsgefühl. Trotz seines Widerstands gegen die Hitlerdiktatur war er deshalb nicht zu einem Attentat gegen Hitler bereit, weil er – im Gegensatz zu Bonhoeffer- mit seiner christlichen Überzeugung argumentierte, Mord sei Mord und mit dem 5.Gebot nicht zu vereinbaren.
  • Aus diesem Grunde lehnte er auch politische Umstürze und gewaltsame Revolutionen ab, da diese „stets  zerstörende dämonische Kräfte entwickeln, die ihre Urheber nicht mehr bewältigen können“ (4).
  • Obwohl er sich immer für das Gemeinschaftliche engagierte, blieb er immer Individualist und bewahrte sich seine eigene Urteilsfähigkeit. Er redete anderen Leuten nicht nach dem Mund, war nie völlig angepasst. In den Anfangsjahren der CDU stimmte er z.B. nicht unbedingt mit der Linie Konrad Adenauers überein. Trotz seiner individuellen Überzeugungen war er immer bereit in den gegebenen politischen Strukturen mitzuarbeiten, um das Beste daraus zu machen. Er galt als Mann des Ausgleichs.
  • Obwohl er als politisch Verantwortlicher  in der politischen Auseinandersetzung von mehreren Seiten angefeindet wurde, bewies er Standfestigkeit.
  • Er besaß einen Weitblick für zukünftige Weltaufgaben: für den Ausgleich zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern, für das Problem der Überbevölkerung, für die Europäische Einigung, für Abrüstungsfragen, für den Dialog mit der DDR.

 

Anmerkungen:

  1. Zum Folgenden: Klaus Alberts, Theodor Steltzer, Boyens Medien GmbH&Co KG Heide 2009, S . 60ff
  2. Klaus Alberts, a.a.O. S.156
  3. Klaus Alberts, a.a.O. S. 310
  4. Klaus Alberts, a.a.O. S. 148

 

Bisherige Preisträger des Steltzer-Preises:

2013  Oskar Graap
2014   Nico von Horsten, Niklas Martin, Jonathan Riesner

 

Autor: G. Glombik 16.1. 2014, aktualisiert 16.3. 2015

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