Schülerinnen am Johanneum

 

Im Mittelalter nahmen sich die Nonnenklöster der höheren Mädchenbildung an. In Lüneburg sorgte wohl die freie Schwesternschaft der Beginen in der Konventstraße für die Bildung der Bürgertöchter. Daneben gab es sogenannte Klippschulen oder Winkelschulen in denen Lesen, Schreiben und Rechnen auch für Mädchen unterrichtet wurde.

Obwohl mit der Reformation die Bildung der Mädchen mit dem Ziel "Hausfrau und Mutter" einen gewissen Aufschwung nahm, scheint es in Lüneburg keine eigentliche Töchterschule gegeben zu haben.  1816 wurden durch Christiani (dem Lüneburger Freund Heinrich Heines) eine Bürgerschule und eine Freischule gegründet. Letztere hatte in nur 8 Klassen 1034 Schüler und auch Schülerinnen. Bei den Klassenstärken von über 100 Schülern war es nicht verwunderlich, dass vor allem Bürgertöchter in eine der vielen kleinen Privatschulen geschickt wurden, in denen meist Frauen einen bescheidenen Unterricht gaben. 1831 schließlich wurde durch Carl H. F. Oltrogge eine "Töchterschule" gegründet, die heute als Gymnasium "Wilhelm-Raabe-Schule" fortbesteht und ebenso wie das Johanneum 1970 die Koedukation einführte. (Informationen aus: Uwe Plath, "Mädchenbildung im Lüneburg des 19. Jahrhunderts", Lüneburg 1986, Heinrich-Heine-Buchhandlung, ISBN 3-88456-030-1 )

Bis dahin hat es am Johanneum nur vereinzelt aus besonderem Anlass Mädchen gegeben. Die erste Abiturientin war 1920 Ruth Jacobsohn, die Schwester von Prof. Dr. Hermann Jacobsohn. Das kleine Foto (rechts) zeigt Ruth  Jacobsohn (geb. 1900) im Alter von etwa  9 Jahren.

Foto: Privatbesitz Ruth Verroen

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Foto: Privatbesitz Ruth Verroen

 Auf dem großen Foto (links) sieht man Ruth Weinberger (geb.Jacobsohn) mit ihrem Mann Karl Weinberger und ihren Kindern Hanna, Lies und Michel (von links nach rechts). Karl Weinberger starb 1941. Ruth Weinberger und ihre Kinder Lies und Michel wurden 1943 in Auschwitz ermordet. Hanna überlebte, da sie 1939 im Alter von 11 Jahren nach England geschickt wurde.

Sie gründete später als Hanna Hickman eine eigene Familie und machte sich als Spezialistin für deutsche Vorkriegsliteratur einen Namen.

 

Hervorragende Abiturientinnen:

 

Uns erreichte am 21.1. 2003 folgende Email von Walmot Möller-Falkenberg: Erdmuthe und Helga Hackmann:

„Als Enkelin des ehemaligen Schulleiters Dr. Friedrich Hackmann finde ich die historischen Anmerkungen zur Schulgeschichte in der Weimarer Republik und während der NS-Zeit etwas dürftig. Und dass dessen Töchter Erdmuthe (später Dr. E. Falkenberg, Leiterin des Landesjugendamtes Hessen) und Helga (später Prof. Dr. Helga Einsele, Leiterin der Hessischen Strafvollzugsanstalt für Frauen), beide bundesweit bekannt als Reformerinnen des Jugendwohlfahrtsrechts und Strafvollzugsrechts, im Gymnasium des Johanneums nur mitunterrichtet worden wären, finde ich untertrieben. Ist vielleicht anders gemeint. Mit freundlichen Grüßen W. Möller-Falkenberg“.

 

Wir freuen uns, auf diesem Wege etwas über tüchtige Abiturientinnen erfahren zu haben.

 

Autorin: Dr. Dörte Haftendorn

 

(ergänzender Hinweis:  Weitere Informationen zu diesen und anderen prominenten Schülerinnen des Johanneums finden Sie unter "Weitere prominente Johanniter"  und unter dem Namen  "Anja Noske" (Ruderin , Weltmeisterin) auf der Seite "Prominente chronologisch".

 

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