Kunstworkshop im Sperrgebiet

„Wie zeichnen uns aus durch Spontanität, Kreativität, Individualität, Mut, Offenheit, Experimentierfreude und einen Haufen Talent!“ Die 42 Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Johanneum und der Wilhelm-Raabe-Schule haben in ihren Bewerbungen nicht zu viel versprochen. Die beiden Kunstleistungskurse der Jahrgangsstufe 11 haben die Ausschreibung der Sparkassenstiftung Lüneburg gewonnen und konnten im Juni den Hof Konau 11 – Natur. Kultur. Gastlichkeit, direkt an der Elbe, einen Tag lang als Freiluftatelier nutzen. Konau ist das weltweit letzte vollständig erhaltene Marschhufendorf und war Teil der Weltausstellung Expo 2000.

Der Tag startete mit einer Führung von Sabine Wittkopf, die den Schülern anschaulich die bedrückende Grenzgeschichte im ehemaligen Sperrgebiet vor Augen führte. Ein Stück des ehemaligen Grenzzauns sowie Fotodokumente belegten dabei anschaulich die totale Überwachung. „Was bedeutet Freizügigkeit für euch?“, die Antwort braucht einen Moment, so selbstverständlich ist es sich frei bewegen zu können, ohne Besuchsschein und tägliche Kontrollen.

Mithilfe von „Sehhilfen“ wie Ferngläsern, Lupen und Bilderrahmen, konnten die Schülerinnen und Schüler dann unter Anleitung von Jutta Brüning und Murte Liebenberg vom Kunstraum Tosterglope die Umgebung noch genauer erkunden. Ein Grashalm mit dem Fernglas betrachtet oder die Weite der Landschaft im Bilderrahmen fokussiert, bietet ganz neue Ansatzpunkte für das eigene kreative Schaffen.

kunstworkshop_im_sperrgebiet_2016Die Kurse haben sich für ihren Kurzurlaub vom Schulalltag Materialien ausgesucht, die in Unterrichtsräumen schwer zur Anwendung kommen können. Große Blöcke Ytong und Specksteine wurden transportiert, Katherine Dombrowski, Kunstlehrerin am Johanneum, hat ihren Kurs mit einem Arbeitsblatt über den Künstler Henry Moore auf die Arbeit als Bildhauer vorbereitet und das Thema „Beziehungen und Gegensätze“ gewählt.

 

kunstworkshop_im_sperrgebiet_2016_wrsDer Kurs der Wilhelm-Raabe-Schule wollte raus aus dem „Klein-Klein“ und hat sich für die Technik des Graffiti entschieden. Dafür wurde kurzerhand eine Kuhweide zum Atelier umfunktioniert, um großflächig auf zwischen Bäume gespannte Leinwände sprayen zu können.

Die Workshop-Reihe entstand aus eine Idee von Landrat Manfred Nahrstedt, als sich Schülerinnen und Schüler aus den Landkreisen Lüneburg, Wagrowiec und der tschechischen Stadt Sedlcany zu einem Malseminar trafen. Eine Ausstellung zum Thema „deutsche Teilung“ sollte entstehen und wo lässt sich die bedrückende Lebenssituation im deutsch-deutschen Grenzgebiet besser vermitteln, als an einem authentischen Ort im ehemaligen Sperrgebiet mit teilweise erhaltenen Grenzanlagen.

Beim Hoffest auf dem Hof Konau 11 am 9. Oktober, 11 bis 17 Uhr, werden die im Workshop entstandenen Werke ausgestellt, sowie im Rahmen einer Wanderausstellung in den Räumen der KulturBäckerei Lüneburg vom 7.-10. November, im Gymnasium Johanneum sowie in der Wilhelm-Raabe-Schule.

Nachrichten