Theodor-Steltzer-Preis

Die Vereinigung der Ehemaligen, der Freunde und Förderer des Johanneums zu Lüneburg hat im Jahre 2013 den Theodor-Steltzer-Preis für besondere Verdienste um die Schulgemeinschaft gestiftet und verleiht diesen Preis in jedem Schuljahr an Abiturienten, die sich besonders für die Schulgemeinschaft engagiert haben. Unser Verein verfolgt mit diesem Preis zwei Ziele: das erste ist die Ehrung des Andenkens eines bedeutenden ehemaligen Schülers unserer Schule mit einer vorbildlichen Lebensleistung und das zweite ist die Würdigung von und Dank für Schülerinnen und Schüler des Johanneums, die sich für ihre Mitschüler und Mitschülerinnen und die Schulgemeinschaft in besonderer Weise eingesetzt haben, oder sich beispielsweise für Projekte engagiert haben, die die Anliegen und Interessen der Schülerschaft betreffen.


Wer war Theodor Steltzer? 


Der 1885 in Trittau Geborene besuchte von 1893 zunächst die Vorklasse, dann bis 1902 das Johanneum, scheint aber sein Abitur in Göttingen abgelegt zu haben. Nach dem Militärdienst studierte er in München Staatswissenschaften, kehrte aber 1909 zum Militär zurück und schlug die Laufbahn eines kaiserlichen Berufsoffiziers ein. Im Ersten Weltkrieg wurde er Silvester 1914 schwer verwundet, konnte aber 1915 den Dienst in der Obersten Heeresleitung für das Feldeisenbahnwesen wieder aufnehmen. Schon in dieser Phase des Krieges befürwortete Steltzer einen Verhandlungsfrieden. Im Juli 1919 plädierte Steltzer in einem Artikel der „Sozialistischen Monatshefte“ unter dem Titel „Die Überwindung der Gewaltpolitik“ für eine Verständigung mit den Nachbarn Deutschlands, insbesondere mit Frankreich.


Im September 1920 wurde Steltzer zum Landrat des Kreises Rendsburg ernannt. Da er sich offen als Gegner der Nationalsozialisten zu erkennen gab, wurde er im April 1933 seines Amtes enthoben. Eine Anklage wegen Dienstvergehens und Hochverrats brachte ihm eine monatelange Haftzeit ein, bis schließlich das Verfahren gegen ihn wegen nicht erwiesener Schuld eingestellt werden musste. Da Steltzer auf Grund seiner politischen Einstellung im Staatsdienst keine Anstellung mehr finden konnte, arbeitete er im kirchlichen Bereich. 1939 wurde Steltzer zur Wehrmacht einberufen und im August 1940 als Transportoffizier nach Norwegen versetzt. Steltzer besetzte nach und nach seinen Arbeitsstab mit Freunden und Vertrauten, die seine politische Meinung teilten. Er nahm eine enge Fühlung zum norwegischen Widerstand auf, insbesondere zu Arvid Brodersen und Eivind Berggrav, dem lutherischen Bischof von Oslo. Da Steltzer Helmuth James Graf Moltke, den Führer des bürgerlichen Widerstands gegen Hitler, kennengelernt hatte, entwickelte sich eine enge Mitarbeit im Kreisauer Kreis. Steltzer beteiligte sich an den Planungen des zukünftigen Staatsaufbaus, der Kirchen- und Kulturpolitik und der europäischen Einigung. Gemeinsam mit Moltke setzte sich Steltzer für norwegische Juden und andere Verfolgte ein und knüpfte über den norwegischen Widerstand Kontakte nach England. Nach dem 20. Juli 1944 wurde Steltzer von der Gestapo verhaftet. Am 15. Januar 1945 verurteilte ihn der Volksgerichtshof zum Tode. Auf Grund der Bemühungen einflußreicher schwedischer und norwegischer Freunde konnte die Hinrichtung aufgeschoben werden, und Steltzer wurde am 25. April 1945, beim Herannahen der russischen Armee, aus dem Gefängnis entlassen.

 

Nach Kriegsende gehörte er zu den Mitbegründern der CDU in Berlin und war von 1945 bis 1947 erst Oberpräsident und dann der erste Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein. 1955 wurde er zum geschäftsführenden Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Bonn ernannt, ein Jahr später zum Präsidenten der UNESCO-Kommission. In den folgenden Jahren setzte er sich deutlich von der Ost- und Deutschlandpolitik der CDU ab.


Nach seinem Tode im September 1967 schrieb DER SPIEGEL über ihn: „Der von den liberalen Lehren Friedrich Naumanns geprägte Nationalökonom und tätige Lutheraner, der später der Friedrich-Ebert-Stiftung präsidierte, ließ sich, unzufrieden mit der Westblockpolitik Adenauers, aus der CDU, deren Protestanten-Anführer er hätte werden können, in Verbände abdrängen; so stand er der deutschen Unesco-Kommission vor – ein Weltmann ohne Ellenbogen, aber mit Rückgrat.“