Engelbert Kaempfer: über den Ginkgo - Baum

Der Ginkgo- Baum (lat. Ginkgo biloba) ist einer eigenen botanischen Familie zuzurechnen (lat. Ginkgoaceae), in der er gleichzeitig als einzige Art vertreten ist. Man könnte ihn als ein lebendes Fossil bezeichnen, da er schon vor 150 Millionen Jahren seine größte Verbreitung erfahren hatte; andere fossile Ginkgo-Arten gab es bereits vor ca. 300 Millionen Jahren.

 

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Nach Klimaveränderungen in der Erdgeschichte hielt sich Ginkgo biloba nur in China und wurde von dort in andere Teile Asiens gebracht, z.B. nach Japan. Der Baum wurde hier häufig an Tempeln, in Parks und in den Gärten der Wohlhabenden gepflanzt. Heute säumen Ginkgos auch Straßen in New York, und sie erweisen sich auch in der modernen Großstadt als ausgesprochen widerstandsfähig. Ein Ginkgo kann über 1000 Jahre alt und bis zu 40 Meter hoch werden. Seine Blätter erinnern an die Form eines Fächers, weswegen er auch Fächerblattbaum oder auch Elefantenohrbaum genannt wird. Erstaunlich aber ist die Fortpflanzung des Ginkgo. Der Baum ist zweihäusig, das heißt, es gibt weibliche und männliche Bäume, die erst im Alter von etwa 30 Jahren Blütenstände ausbilden.

 

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Im Jahre 1895 entdeckte ein japanischer Forscher, dass die Eizellen der weiblichen Blütenstände von beweglichen männlichen Spermazellen befruchtet werden; alle anderen heute existierenden Pflanzen außer Farnen und Cycasgewächse haben unbewegliche Samenzellen. Die zunächst unscheinbar aussehenden weiblichen Samenanlagen wachsen, ob befruchtet oder nicht, nach einiger Zeit zu "Früchten" heran, die Mirabellen ähnlich sind. Dabei sind diese Gebilde genau genommen keine Früchte, und für den menschlichen Verzehr ist das äußere Fruchtfleisch nicht geeignet. Beim Ginkgo wachsen die Samenanlagen, die wie Früchte aussehen, eventuell auch ohne eine Befruchtung heran, was ein Forscher auf den Begriff brachte: "Der Ginkgo legt Eier". Eine Befruchtung kann auch stattfinden, nachdem die mirabellenartige Samenanlage schon vom Baum gefallen ist. Der männliche Pollen wird mit einem Tröpfchen eingefangen und durch eine kleine Öffnung (Mikropyle) ins Innere der Samenanlage geschleust. Hier erzeugt der Pollen bewegliche Spermatozoide, die sich auf die Eizelle im Innern zubewegen und mit ihr verschmelzen. Ist kein männlicher Ginkgo-Baum in der Nähe, sterben die Samenanlagen ab. Hat aber eine Befruchtung stattgefunden, entwickelt sich der eigentliche Same des Ginkgo als eine Art Nuss, die durchaus essbar und gebrannt sogar eine begehrte Delikatesse ist. Den Namen Ginkgo verdanken wir wahrscheinlich einem Fehler Engelbert Kaempfers, der Ginkyo wie Ginkgo las. Goethe wurde durch das Blatt des Ginkgo-Baumes 1815 zu nachdenklichen Versen inspiriert. Auf dem Schulhof des Johanneum wurde zum Gedenken an Engelbert Kaempfer 1992 ein Ginkgo-Baum gepflanzt.